? Samba

Samba

Brasilien, und im selben Atemzug Rio de Janeiro, fallen den meisten von uns ein, wenn von dem faszinierenden Musikstil Samba die Rede ist. Seine Wurzeln hat er in der afro-bahianischen Kultur, temperiert von mit Klängen aus Rio de Janeiro. Geboren wurde der Samba aus afrikanischen Rhythmen, die man der harten Realität der nach Brasilien verschleppten Sklaven – vornehmlich aus Angola und dem Kongo – anpasste. Im Lauf der Zeit erfuhr der Samba unzählige Veränderungen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und musikalischer Art – bis aus ihm jene Charakteristika hervorgingen, die man heute so schätzt.

Der Samba entstand aus dem antiken “Lundu” – einem im 18. Jahrhundert in Brasilien sehr populären Musikstil mit Tanz und Gesang – welcher einst als “Dança de Roda” (Kreis-Tanz) aus Angola stammte und von den Sklaven mitgebracht wurde – in erster Linie nach Bahia, dem damaligen Zentrum des Sklavenhandels. Man nannte ihn auch “Umbigada” oder “Batuque” : ein Vortänzer inmitten des Kreises, welcher sich zum Klang von Gesang, Trommeln und Händeklatschen bewegte, forderte den nächsten Tänzer mittels einer “Anrempelung von Bauch zu Bauch” (Umbigo = Nabel) auf, ihm in den Kreis zu folgen.

Kurz nachdem sich der Schwerpunkt der Sklavenarbeit von Bahia in die Kaffeeplantagen des Paraíba-Tals bei Rio de Janeiro verlagerte, folgte ein Niedergang der Kaffeeproduktion und die Sklavenbefreiung (1888). Im Anschluss erlebte die Stadt Rio de Janeiro, damals Hauptstadt des Landes, ihre bis dato grösste Einwanderungs-Welle – die der befreiten Sklaven. Und diese begannen nun ihre Rhythmen am Kaiserhof einzuführen, wo sie sich mit anderen populären Musikstilen der Stadt – zum Beispiel der Polka, der Maxixe und dem Xote zu mischen begannen. Der "Samba carioca" aus Rio begann sein Gesicht zu zeigen in seinem bis heute bekannten typischen Rhythmus.  

1917 kam die erste Samba-Schallplatte heraus – “Pelo Telefone” (Durchs Telefon) – Autor und Komponist war der legendäre “Donga” (Ernesto dos Santos). Diese Platte war der Auftakt einer Eroberung des phonografischen Marktes durch den Samba. Als 1922 der erste Radiosender eingeweiht wurde, eroberte der Samba auch die bürgerliche Mittelklasse der Stadt. Ab diesem Moment wurde der neue Musikstil auch von Söhnen und Töchtern dieser Mittelklasse redimensioniert und verbreitet, wie zum Beispiel vom Ex-Studenten der Medizin Noel Rosa und dem Ex-Studenten der Rechtswissenschaften Ari Barroso – mit bemerkenswerten Werken dem bis heute unsterblichen “Aquarela do Brasil”. Die Erungenschaft des Radios sollte noch viele weitere Künstler, wie zum Beispiel Francisco Alves, Orlando Silva und die weltberühmte Carmen Miranda zu Idolen des Samba machen. 

Zwischen den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfuhr der SAMBA verschiedene Variationen, wie zum Beispiel den "Samba Enredo" den "Samba Choro" und den "Samba Cancao", um nur einige zu nennen. Aus derselben Periode stammen auch die Samba-Kompositionen für die grossen Karnevals-Paraden. Der erste  Samba Verein, oder “Escola de Samba” (wörtlich: Samba-Schule) entstand 1929 im “Estácio”, einem als Zentrum der Bohême bekannten Stadtteil von Rio de Janeiro. Dieser Bloco (Karnevalsverein) absolvierte unter dem Namen “Deixe Falar” seine erste Parade auf dem “Praça Onze” Platz im Zentrum von Rio de Janeiro, in einem so faszinierenden und mitreissenden Rhythmus, dass das Publikum unwillkürlich angesteckt wurde und mittanzte – das Gegenstück zu den früheren, formeller gehaltenen, Samba-Darbietungen, war geboren.

Die Kultur Nordamerikas hatte gleich nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Einfluss auf den brasilianischen Samba. Inspiriert vom Impressionismus des Jazz erschien mit João Gilberto und Tom Jobim der Bossa Nova (1950)  in Rio de Janeiro und eroberte in der Folge  von dort aus die Welt. Interne Dissidenten dieser Gruppe propagierten, darüber hinaus, die Afro-Sambas von Baden Powell und Vinicius de Morais. Im Lauf der Jahre sind viele weitere Samba-Schulen entstanden – der Samba avancierte innerhalb Brasiliens und auch im Ausland zum musikalischen Identitätssymbol des Landes.

Brasilien ohne Samba ist genauso undenkbar wie die Karibik ohne Calypso oder die USA ohne den Blues. Auf Touristen übt der Samba eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Die Zahl der Besucher, die als Hauptgrund für ihr Interesse die Musik angeben, ist in Brasilien überdurchschnittlich hoch. Schon so mancher  Besucher hat das Land über die Faszination für brasilianische Musik kennen und lieben gelernt, und nicht wenige sind immer wiedergekehrt oder sorgar ganz dageblieben. Kein Wunder, dass die Zahl der Ausländer, die nicht nur in Brasilien investieren sondern auch dort leben in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, denn neben  seinem traditionellen kulturellen Charisma bietet Brasilien seit einigen Jahren zunehmend wirtschaftliche und politische Stabilität.